„Mitte(n) unter Druck“ – 3. Demokratiebericht NRW schaut auf die Mitte der Gesellschaft
Der Bericht, der von Landeszentrale und einem wissenschaftlichen Team der Universität Duisburg-Essen erarbeitet wurde, ist eine Art Pulsmesser der Demokratie in Nordrhein-Westfalen. Er beruht auf der datengestützten Analyse der Einstellungen zur Demokratie in der nordrhein-westfälischen Bevölkerung. In den meisten Bundesländern gibt es Demokratie-Monitore. Eine Besonderheit in Nordrhein-Westfalen ist die enge Verknüpfung von Wissenschaft und politischer Bildung durch die gemeinsame Arbeit von Landeszentrale und NRW School of Governance.
Der aktuelle Demokratiebericht richtet den Blick besonders auf die gesellschaftliche Mitte. Das Wichtigste in Kürze:
- Insgesamt ist die Demokratie als Staats- und Lebensform in Nordrhein-Westfalen in ihrem Bestand nicht bedroht. Aber das Verständnis davon, was Demokratie ausmacht, wackelt bei zu vielen Menschen. So gehören rund 42 Prozent der Menschen in Nordrhein-Westfalen zur Gruppe der fragilen Demokraten, bei denen sich demokratische und undemokratische Einstellungen mischen.
- Zufriedenheit mit Demokratie sinkt: Die Zufriedenheit mit der tatsächlichen Funktionsweise der Demokratie ist im Vergleich zu 2023 in den mittleren Altersgruppen weiter stark zurückgegangen (bei den 30- bis 44-Jährigen: minus18 Prozentpunkte) und in der jüngsten Altersgruppe der 14- bis 18-Jährigen regelrecht eingebrochen ( minus 30 Prozentpunkte).
- Einschätzung der Lebenslage korrespondiert mit Demokratiezufriedenheit: Wer die eigene Lebenslage als gut beurteilt, ist unabhängig vom Alter auch zufriedener mit der Demokratie. Die Bewertung der wirtschaftlichen Situation ist ein Schlüssel für die Wahrnehmung der Lebenslage. Das heißt auch: Die Demokratie stabilisiert sich in der sozioökonomischen Mitte der Gesellschaft. Die wirtschaftliche Entwicklung ist ein zentraler Faktor.
- Engagement und Beteiligung sind Schlüssel für mögliche Verbesserungen: Engagement und Beteiligung sind im Dreiklang aus Zuhören – Erklären – Handeln ein zentraler Schlüssel für Verbesserungen. In Schule, Ehrenamt und Zivilgesellschaft sind zeitliche, fachliche und finanzielle Ressourcen entscheidend, um die Demokratie zu stärken.
- Prinzipien der Demokratie betonen: Politische Bildung macht vieles richtig, muss aber bestimmte Gruppen stärker mit politischer Grundbildung abholen. Die Einrichtungen der politischen Bildung sollten noch stärker als bisher ein Bewusstsein für grundlegende Prinzipien der Demokratie wie Gewaltenteilung, Minderheitenrechte oder die Rolle der Parteien als Institutionen der Willensbildung vermitteln.
An der repräsentativen Befragung haben insgesamt 2.914 Personen teilgenommen. Der Anteil der 14- bis 25-Jährigen war in der Befragung überproportional und wurde später entsprechend dem tatsächlichen Anteil an der Bevölkerung in der Gesamtstichprobe berücksichtigt. Der Demokratiebericht ist daher eine Studie, die besonders zuverlässig Auskunft über die Einstellungen junger Menschen geben kann.
Seit 2021 legt die Landeszentrale im zweijährigen Turnus und mit wechselnden thematischen Schwerpunkten ein Lagebild zu Demokratie und politischer Bildung in Nordrhein-Westfalen vor und spricht Handlungsempfehlungen aus.
